SG 1882 Fürth 1. Jugend 2. Spieltag
Spielbericht LLN U20 (Runde 2) SG Fürth 1 – SC Postbauer-Heng 2,5 : 1,5
Der krankheitsbedingte Ausfall von Stammspielern musste kompensiert werden. Ein großes Lob an alle, die dies mit enormem Kampfgeist und ab und an auch mit dem berühmten Quäntchen Glück erfolgreich bewältigten. Den Grundstein des Erfolges in Runde 2 legten Narek und Andrei mit jeweils solide herausgespielten Gewinnpartien.
Brett 1: Cwiklik, Jonah – Gewondow, N. 0 : 1

Schwarz stand nach der Eröffnung (Caro-Kann Verteidigung) schon vorteilhaft, als seinem Gegner in nebenstehender Stellung (nach 14. Ld6??) der entscheidende Bauernverlust unterlief (Diagramm):

Dabei übersah er das bekanntes Abzugsmotiv 14. … Sxe5! und büßte mit 15. 0-0-0 Lxb5 16. Lxe5 0-0 auch noch sein Läuferpaar ein. Narek verwertete den Vorteil sicher zum Partiegewinn.
Brett 2: Dragomir, A. – Guhl, Henry 1 : 0

Andrei spielte, wie schon des Öfteren, nach 1. d4 d5 2. e4!? dxe4 3. Sc3 Sf6 4. f3 exf3 5. Sxf3 sein gewagtes Bauernopfer mit taktischen Verwicklungen. Schwarz sollte vorsichtig sein.
Der Nachziehende vernachlässigte jedoch sträflich die notwendigen Sicherungsmaßnahmen für seinen König (Diagramm nach 10. Kh1):

10. … exd5? 11. Sxd5 Sbd7? 12. Te1+ Kf8 13. Sxf6 Sxf6 14. Dxd8+ ? Hier wäre sofortiges 14. Se5! besser, damit die Kontrolle der d-Linie nicht aufgegeben wird. Es kam 14. … Txd8 15. Se5 Td2??. Dies übersieht, dass Feld d2 vom Läufer kontrolliert wird. Stattdessen hätte 15. … Ld5! noch Rettungschancen versprochen. Der schwarze Partieverlust war nun nicht mehr zu vermeiden.
Brett 3: Cwiklik, Julian – Ardic, A. 0,5 : 0,5

Weiß hatte nach 26. dxe5 Sd8 (Diagramm) schon deutlichen Stellungsvorteil. Die Idee, diesen mit einem Figurenopfer zu krönen, erwies sich jedoch als kontraproduktiv. Es folgte 27. h5? g5 28. Lxg5 ?? hxg5 29. Dxg5 Kh7 30. f6 Tg8 31. Df5+ Kh6 32. Td4 Tg5!
In der schwarzen Gewinnstellung einigte man sich auf Remis, was den Mannschaftssieg der Fürther besiegelte.

In der Diagrammstellung wäre 27. Tdf1! gewinnträchtig für Weiß gewesen, da der schwarze Turm a8 nicht mehr am Spiel teilnehmen kann (27. … Ta1+ 28. Sb1!)
Brett 4: Nitschke, Seliger, Patrick 0 : 1

David musste in der (für ihn ungewohnt) hohen Jugend-Liga noch Erfahrungen sammeln. Trotzdem ließ er sich keineswegs „überspielen“, sondern zwang den Gegner zu intensivem Nachdenken.
Diagramm nach 15. … Se5

Hier kam 16. Ld5? und nach 16. … Sxd5 17. exd5 Lb7 hatte Weiß sein Läuferpaar ohne Not eingebüßt.
Mit 16.Le2! kontrolliert stattdessen der weißfeldrige Läufer alle wichtigen Felder (insbesondere c4) und die Stellung ist insgesamt ausgeglichen.
Nach dem Verlust des Bauern d5 war die Partie leider nicht mehr zu retten.
Runde 3 SG Fürth 1 – SW Nürnberg 2,5 : 1,5
In der Nachmittagsbegegnung ging es gegen die favorisierten Nürnberger, die „zu allem Übel“ auch noch in Bestaufstellung angereist waren. Dies ließ Befürchtungen aufkommen und wir erwarteten eine deftige Niederlage. Dass dem keineswegs so war, zeigen die Partieverläufe. An allen Brettern hätte das Ergebnis zwar auch anders ausfallen können. Man merkte aber, dass wir stets „auf Augenhöhe“ spielten und einige der Gegner wohl nicht in ihrer Bestform am Brett saßen. So kam es eben, wie es kam: es unterliefen beiden Seiten Fehler und am Ende siegte der mit dem besseren Standvermögen.
Brett 1: Ratushnyi, V. - Gewondow, N. 0,5 : 0,5

Weiß hatte sich gegen Nareks Caro-Kann-Verteidigung zunächst einen erkennbaren Vorteil erspielt, verstand es aber nicht diesen zu verwerten. Schwarz spielte mit „Haken und Ösen“ und stellte den Gegner mit taktischen Aufgaben immer wieder vor Probleme. Dieser agierte zu passiv, verlor den wichtigen Bauern auf d5 und so kam es wie es kommen musste: Schwarz erreichte sogar eine eindeutige Gewinnstellung (Diagramm nach 35. De3??).

Nun ist 35. … Td1!! (ca. -7.5) ein Gewinnzug, da dem weißen König der Fluchtweg über die Grundlinie nach h2 versperrt wird. Weiß müsste stattdessen mit 35. Kg1! (und ausgeglichener Stellung) seine beste Figur zunächst in Sicherheit bringen.
Narek hatte es aber zunächst auf den Bauern f4 abgesehen und in der Diagrammstellung 35. … Td4 gezogen. Nach 36. Tf3 Ted8 37. Kg1 Td3 38. Df2 Txf3 39. Dxf3 Td4 40. Ta3 Txf4 mündete die Partie in ein Turmendspiel, am Ende sogar mit schwarzem Mehrbauern.
Beim Stand des Wettkampfes von 2:1 aus Fürther Sicht war dies die letzte und entscheidende Partie und damit der Kampf für Fürth so gut wie sicher schon gewonnen. Narek unternahm bis zum Zug 93 (!) trotzdem noch Gewinnversuche und demonstrierte den Anwesenden das remis bis zum „zum nackten König“.
Brett 2: Dragomir, A. – Ratushnyi, A. 1 : 0

Andrei verdarb seinem Gegner mit dem überraschenden 1. d4! die Vorbereitung (siehe Partie vom Vormittag). Dieser erreichte nach 11. Th3? aber trotzdem nahezu eine Gewinnstellung (Diagramm mit ca. +2.0).

Nach 11. … Sxf1 12. Txf1 Se5 13. Lxg7 Kxg7 14. g4 Sc4! Ist der Doppelangriff auf b2 und d2 nicht mehr gut abzuwehren.
Schwarz müsste nach dem Partiezug 15. Sa4!? nun gleich die Dame auf d2 nehmen und danach mit 16. Sxb6 Sxf1 17. Sxa8 Ld7 18. Sc7 Tc8 den verirrten Springer einfangen.
Die suboptimale Partiefortsetzung 15. Sa4!? Db5? 16. Dc3+ Kg8 17. Db3 a6 18. Sc3 Dxb3 19. axb3 Se5 20. Sge2 h5 21. Tg3 hxg4 22. f4 Sf3 23. Sa4 f5 24. Sb6 Tb8 25. Sxc8 Tbxc8 26. exf5 gxf5?? brachte Weiß wieder ins Spiel und am Ende sogar in eine Gewinnstellung,

da nun 27. Tfxf3 eine ganze Figur gewinnt.
Ein für den Wettkampf wichtiger erster Punktgewinn, da man an den noch laufenden Partien deren Ausgang zu diesem Zeitpunkt nicht erkennen konnte.
Brett 3: Ratushna, Olha – Ardic, A. 0 : 1


In dieser weißen Gewinnstellung (ca. + 5.6 nach 24. Dxc6) wurde es nochmal spannend. Mit 24. … Sd4 ?! suchte Abdullah taktische Verwicklungen und hatte dabei das notwendige Quäntchen Glück.
Weiß sollte nun mit 25. De8 den Druck auf der Grundlinie aufrecht halten. Mit zwei Mehrbauern am Damenflügel und der Mehrqualität ist die schwarze Stellung auf Dauer verloren.
Es kam jedoch 25. Dc4?! Dxc3 und die Springergabel auf e2 würde nun die Figur gewinnen. Trotzdem bliebe die Stellung mit Turm gegen zwei Leichtfiguren und der überlegenen Bauernstellung für Weiß deutlich besser, z.B. 26. Dxc3 Se2+ 27. Kf1 Sxc3 28. A4 Se4 29. Ta8 Sc5 30. a5 und noch ein Bauer fällt.
In der Partie zog Weiß aber nach 25. … Dxc3 den Verlustzug 26. Txd4?? und büßte nach 26. … Da1+ 27. Df1 Dxd4 gleich den Turm ein. Mit der Mehrfigur fand nun Schwarz mühelos den Weg zum Gewinn.
Brett 4: Nitschke, D. – Koltsov, R. 0 : 1


In dieser Stellung besitzt Weiß Stellungsvorteil (ca. +0.64). Der Doppelbauer und die Felderschwäche f5 im schwarzen Lager sind ein lohnendes Ziel, das man für ein Endspiel möglichst konservieren sollte. Dazu wäre nun 17. Ke2 ein probater Zug, der den weißen Vorteil bleibend sichert. Der starke Sd5 wird entfesselt und der Isolani e4 kann durch seinen eigenen König verteidigt werden.
Weiß wollte in der Diagrammstellung zu schnell mit 17. Tf1 in Vorteil kommen und übersah den Bauerngewinn mit 17. … Tg4!
Im Laufe der Partie konnte der Nachziehende die Bauern am Königsflügel mobilisieren und die Partie gewinnen.
Fazit:
Es bleibt insgesamt nur zu sagen: Gut gekämpft und weiter so, Jungs! Aus Fehlern kann man lernen und wo gilt das mehr als im Schachspiel!
In der Tabelle haben wir jedenfalls eine aussichtsreiche Position bezogen und treten vielleicht gegen den Hauptkonkurrenten auch mal in Bestaufstellung an.
Burkhard Zühlke (Mannschaftsführer)
