SG 1882 Fürth - SC Stein 4:4
Am Derbysonntag (SpVgg Greuther Fürth-1.FC Nürnberg) mussten wir am letzten Spieltag bei bestem Wetter in unserer Heinrichklause gegen den stets motivierten SC Stein antreten.
Während wir auf Emre verzichten mussten, war unser Gegner fast in Bestbesetzung im St. Heinrich erschienen:
Brett 1: Hans Wagner (DWZ 2110) - Wolfgang Heimrath (DWZ 2121)
In einem Duell auf Augenhöhe musste ich bereits wie vor zwei Jahren wieder mit Schwarz antreten. Diesmal kam es zur Spanischen Eröffnung.
Mein Gegner erwartete etwas in Richtung Berliner Mauer, während ich mich auf ein Jänisch-Gambit einstellte.
Stellung nach 13...Ke8-d8

Weiß sollte nun mit Sb5 Lc5 Df3 Te8 Kd1 c6 Sc3 fortsetzen. Weiß hat 3 Bauern mehr, muss aber seine Grundreihe noch umgestalten.
Stockfish gibt hier Weiß in dieser unübersichtlichen Stellung einen Vorteil von 2,0 Punkten.
Mein Gegner war etwas zu gierig und wollte noch mehr Material. Er spielte 14.Dxb7? und nach 14...De6 hatte ich Dauerschach, da der weiße König weder links noch rechts der e-Linie einen sicheren Hafen findet. Wir einigten uns auf Remis.
Kf1? wäre sogar ein Fehler, denn nun würde Schwarz mit Txa7! (Zunächst dachte ich stattdessen an Dh3 Dg2 Dxg2 Kxg2 Txa7 wo ich mit einen Springer gegen 4 Bauern spielen müsste.) Dxa7 Dc6 deutlich besser stehen. Tg1 oder Kg1 verliert wegen Lc5 und Dg1 Df3 Ke1 Lc5, nebst Te8 ist auch nicht zu empfehlen. 0,5:0,5
Brett 5: Severin Guttenberger (DWZ 1818) - Philipp Levitskii (DWZ 1733)
Im Geschlossenen Sizilianer gibt es ein Rennen an beiden Flügeln. Stellung nach 20.h4-h5

Nach Te8 Ld2 Se6 hat Philipp wenig zu befürchten. Nun macht er einen aber einen Fehler und spielt sofort 20...Se6? Weiß nutzte die Chance und sperrte den Läufer mit 21.h6 für den Rest der Partie aus. Philipp bekam aber noch eine Chance, Stellung nach 27.Dd1xe2

Der tote Läufer auf h8 kann nun mit Lxe5!! zum Leben erweckt werden. Egal wie Weiß den Läufer schlägt kann Schwarz den Läufer auf e3 fangen.
zum Beispiel fxe5 f4 Sf3 fxe3 Dxe3 und Stockfish gibt Schwarz einen Vorteil von 0,9.
Leider zog Philipp hier 27...Db6 und das Schicksal nahm nach 28.Sb3 seinen Lauf und Weiß gewann.
0,5:1,5
Brett 8: Max Springmann (DWZ 1565) - Robert Meyer (DWZ 1626)
In der Englischen Partie kam es nach dem Damentausch zu folgender Stellung nach dem 18...Kg8-f7

Max sollte hier langsam den Druck mit Td3 verstärken . Die Drohung Tcd1 sollte Schwarz zu einer Reaktion zwingen, beispielsweise
a: Tc8 Tcd1 Tc7 oder
b: Sb8 Sc5 Lc8 oder
c: a5 Lc3 (Lxa5? Ta8) Ta8
Weiß spielte 19.Sc5 und nach 19...Sxc5 20.Lxc5 f5 einigte man sich bald auf Remis.
1:2
Brett 2: Mike Shlosberg (DWZ 1894) - Günther Birkmann (DWZ 1896)
Mike spielte gegen meinen früheren Mannschaftskollegen aus Zirndorf, der schon lange in Stein Wurzeln geschlagen hat. Es entwickelten sich schnell die Gegensätze Angriffsmut gegen Verteidigungsstrategie. Stellung nach 21...Df6-f5

Mit dem Läuferrückzug Le3 konnte Mike die Stellung noch zusammenhalten. Stockfish fallen hier keine besonders aktiven Züge von Schwarz ein wie beispielsweise: a5 oder Kh8
Nach dem Öffnungsversuch e4 kann Mike hier mit f4 die Reihen schließen, da Lxb2 Tb1 nichts bringt. Stattdessen zog Weiß hier 22.Db3? e4 23.fxe4 Dxe4 24.Tg4 De5 und Schwarz kann mit allen Figuren gegen den weißen Monarchen vorgehen. Es folgte noch 25.Tag1 Tf2 26.De3 Dxb2 und Mike
musste bald aufgeben.
1:3
Brett 4: Norbert Strobel (DWZ 1917) - Fabian Slavik (DWZ 1839)
Norbert stand zu Beginn der Partie leicht besser. Stellung nach 25...d5xe4?

Schwarz überzieht hier seine Stellung als er (über)-ambitioniert seine Königsstellung mit g5 schwächt.
Norbert sollte nun mit fxg5 hxg5 De2 Dd6 (der direkte Verteidigungszug De7 scheitert an Sg6) Dh5 Df6 Sg4 fortfahren und Stockfish gibt hier Weiß bereits den Gewinn bei 4,3 Punkten Vorsprung. Weiß spielte 26.Dc4 Dxc4 27.Sxc4 Le6 28.b3 (besser ist Se5 oder Sd6) und die Partie verflachte zunächst.
Stellung nach 32...c6-c5?

Schwarz setzt hier auf die Zugfolge, die in der Partie auch kam. 33.dxc5?! Td5 34.Sg6 Kf7 35.Sf4 Tdxc5 und die Stellung ist ausgeglichen.
Stattdessen findet hier Stockfish mit axb5! cxd4 Txc8 Txc8 Sc6! eine stärkere Fortsetzung. Da nun wegen der Gabel auf e7 eine schwarze Figur ziehen muss,
kann danach bequem Sxd4 folgen und Weiß hat laut Stockfish 2,7 Einheiten Vorsprung. In der Partie folgten noch ein paar Abtäusche und man
einigte sich auf Remis.
1,5:3,5
Brett 6: Dennis Maier (DWZ 1553) - Peter Pollmann (DWZ 1691)
Dennis versucht nach der ersten Phase Verwirrung zu stiften. Stellung nach 9.e3-e4?

Schwarz spielte 9...cxd4 10.exd5 und konnte nun mit e5 seinen vorgeschobenen Bauern decken und gleichzeitig den weißen Bauern attackieren.
Hier kann Weiß noch Sg5 versuchen, da Sxd5 wegen Lxh7 nicht funktioniert, aber Schwarz hat einige gute andere Züge wie Sc5 oder Sb6.
Schwarz ließ die Gelegenheit aus und spielte den harmlosen Zug 10...Sxd5. Stellung nach 15.Sf3-e5??

Eine kurze Betrachtung dieser Position:
Schwarz konnte nun mit b5! die Partie gewinnen. Wenn der Springer wegzieht, geht e5 verloren und sollte Weiß zuerst Sxd7 spielen, folgt bxc4 mit Gardez und Weiß verliert eine Figur. Schwarz zog den b-Bauern aber zum Glück für Dennis ein Feld zu kurz 15...b6?
Stellung nach 19...Lb7

Dennis hat seinen nächsten Zug natürlich vorbereitet und spielte mit 20.Sh6 einen echten Maier-Zug. Schwarz kann wegen Matt mittels Dg4-Dg7 natürlich nicht schlagen. 20...Kh8 21.Sxf7 Kg8 22.Sh6 gxh6? (Schwarz musste wieder Kh8 spielen, worauf Dc3 folgen könnte) 23.Dg4 Kf7 (Diagramm)

Schwarz dachte nach Dh5 Kg8 wäre es Dauerschach, aber Dennis konnte hier mit 24.Se5 Ke8 25.Dh5 Kd8 den schwarzen König in die d-Linie zwingen.
26.Lxc5 Kc8 27.Lxe7 Dxe7 und Schwarz ist hoffnungslos verloren.
2,5:3,5
Brett 7: Ralf Hempfling (keine DWZ) - Patrick Schubert (DWZ 1349)
Im Sizilianer gibt es oft heterogene Rochaden. In dieser Partie findet aber nicht der übliche Sturmlauf statt. Stellung nach 19.Sb3-d2

Patrick konnte nun mit Lxh3 Txh3 Se3 (oder Lxg5) Tdh1 Sxc2 spielen. Witzig wäre dann: Sb6 De6 Sxc8 Txc8 T3h2 Dxa2 und Weiß steht leicht besser.
Hier greift Patrick fehl. 19...Da7? Mit der einfachsten Fortsetzung: Lxe6 fxe6 Sxe7 Dxe7 Sxc4 Txc4 Dxd6 gibt Stockfish hier 3,1 Punkte Vorteil für Weiß.
Es kam aber 20.Sxc4? Txc4? (deutlich besser ist bxc4) 21.Lxe6 Td4 22.Lxf7 Kxf7 De2 und Weiß steht auf Gewinn. Stellung nach 31.Kh8-g7

Weiß kann hier mit f8 (D) Kxf8 Df6 Ke8 a4! weiter auf der Siegesstraße wandeln, da der Bauer wegen der Drohung Txd6 nicht genommen werden darf.
Es kam aber 32.h6? Kxf7 33.Dh5 Ke7 und die Einigung auf Remis war folgerichtig.
3:4
Brett 3: Dr. Roland Guttenberger (DWZ 1904) - Daniel Vu (DWZ 1735)
Im Caro-Kann kommt es oft zu der Fesselung mit Lg4. Stellung nach 6...Lg4-h5?!

Die Fesselung aufrecht zu erhalten, obwohl Weiß noch nicht rochiert hat, ist oftmals schlecht. Auch hier könnte Weiß mit g4 Lg6 e5 Sd5 e6! positionellen
Vorteil bekommen. Aber nun folgt ein seltener Fehler: 7.g3? und Daniel gewinnt einen Bauern. 7...Sxe4! Den Springer zu nehmen ergibt keinen Sinn, da nach Dxd1 Kxd1 Lxf3 die Partie entscheiden würde. So zog Weiß 8.Lg2 und musste mit Minusbauer ohne Kompensation weiterspielen. Stellung nach 37.Td1-a1

Daniel findet einen weiteren nicht so offensichtlichen Zug. 37...Lb1!! (Le4 stattdessen ist laut Stockfish fast genauso stark, aber er hat nicht die Schönheit und Eleganz) Nun gewinnt Schwarz die Qualität nach 38.Ta3 Sxa3 39.Txa3. Stellung nach 44.Lg3-d6

Eine weitere Kostprobe von Daniels Spielverständnis. Viele Spieler würden hier den Turm von f8 nach d8 ziehen, aber Daniel will den Folgezug c5 vermeiden, welcher kurzfristig sein Spiel hemmen würde und opfert die Qualität zurück. Natürlich kein Problem wenn man bereits 2 Bauern Vorsprung hat. 44...dxc4! 45.Lxf8 Kxf8 Daniels Gegner kämpfte noch bis zum 75. Zug, dann hatte er aber ein Einsehen und gab auf.
4:4
Daniel hat in dieser Partie fast fehlerlos gespielt und alle Taktiken gesehen, die auch Stockfish gespielt hätte.
Fazit:
Nachdem wir bereits mit zwei Niederlagen zurück lagen, mussten wir uns anstrengen, um noch zu punkten. Am Ende gab es keine Verlierer und wir trennten uns zum Abschluss der Saison mit einem gerechten Unentschieden.
In der Abschlusstabelle belegten wir den 3. Platz mit 12-6 Punkten. Jeder Spieler hat in dieser Saison sein Potential bewiesen und gut abgeliefert. Im nächsten Jahr sind wir gespannt, wer von den Absteigern und Aufsteigern neu in unsere Gruppe kommt.
Ich wünsche Euch einen schönen Sommer!
Wolfgang Heimrath
