SG 1882 Fürth - SC Uttenreuth 4,5:3,5

Der SC Uttenreuth ist in dieser Saison neu in unsere B2-Gruppe gerutscht und kämpft rund um den Spitzenspieler Markus Böhme gleich um den Aufstieg.
Wir wussten natürlich, dass besonders die vorderen Bretter von Uttenreuth sehr stark sind und so kam es dann auch.

Brett 7: Christian Sippel (DWZ 1616) - Peter Weißmann (DWZ 1636)
Im geschlossenen Sizilianer sind es oft Kleinigkeiten die entscheiden. Stellung nach 14.Dd1-d4



Stockfish findet, dass man auf dieses Schach mit e5! reagieren muss. Gut für Schwarz wäre dann der eingesperrte weiße Läufer auf g2. 
Der schwache d-Bauer kann beispielsweise mit Lb7-Lc6 gedeckt werden. Aber nach dem Textzug 14...Kg8? kann Weiß seinerseits mit e5! Raumvorteil erzielen, sowie ein Tempo durch den Angriff auf den Ta8 gewinnen. Weiß zog aber zuerst 15.Tad1 Tad8 16.Dd6? und verpasst den Einschnürungszug e5 erneut, auf welchen Sf5 Da4 Lc4 Se4 mit einem Vorteil von 1,3 Einheiten folgen könnte. Es kam noch 16...Dxd6 17.Txd6 Sc8 und Weiß nahm das Remisangebot trotz leicht besserer Stellung an.
0,5:0,5

Brett 4: Philipp Levitskii (DWZ 1704) - Bernhard Abmayr (DWZ 1806)
In der Eröffnungsphase versuchte Schwarz die Stellung zu vereinfachen, was krachend scheiterte. Stellung nach 9...Sf6-g4??



Philipp konnte sich hier dem Figurengewinn kaum verweigern und zog 10.e4!. Nun konnte der Nachziehende noch zwei Bauern für die Figur bekommen:
10...Sxh2 11.Kxh2 Lxe4 12.Sd2 Lxg2 13.Kxg2 Lxe5 14.dxe5 Dg5. Die Stellung ist hoffnungslos verloren. Stellung nach 29...Tf6-h6



Weiß hat nun diverse Kombinationen, die alle zum Sieg führen. Am schönsten erscheint mir De5! um das Doppelabzugschachmatt Tg8 zu drohen.
Txh7 ist beinahe wie die Partiefortsetzung: Es kam aber 30.Tg8 Dxg8 31.De5 und Schwarz gab auf.
1,5:0,5

Brett 5: Jürgen Meyer (DWZ 1734) - Dennis Maier (DWZ 1553)
Im Duell der beiden Meiers gab es interessante Momente. Stellung nach 18...h7-h5



Dennis greift den Läufer an und der Bauer ist tabu. Ein transparentes Motiv. Weiß sollte mit Le2 Tf5 Db2 weiterspielen. Schwarz hat allerdings
Raumvorteil und Angriffschancen. Weiß zog 19.Lxh5 und der Turm gabelt mit 19...Tf5 zwei Läufer auf. Mit 20.Lxg7 wurde ein zweiter Bauer verspeist.
Nun sollte Dennis mit Txh5 den weißfeldrigen Läufer schnappen, denn wenn sich der andere Läufer mit La1 rettet, würde der Turmschwenk Tch6 das Ende schnell einleiten. Schwarz nahm aber den braunfeldrigen Läufer 20...Kxg7 21.Lg4 Tg5. Etwas später, Stellung nach 29.Kg1-f2



Der weiße König ist im Netz der schwarzen Spinne gefangen. Stockfish kündigt hier sogar ein Matt in 9 Zügen an.
Mit Th3! geht es los, denn mit Tf3 droht ein schnelles Matt. Der einzige sinnvolle Zug wäre nun Te2 worauf Plan B greift und Dg3 einfach gewinnt. 
Dennis gab in großer Zeitnot erst ein paar Schachs ehe er den weißen Monarchen zur Strecke brachte.
2,5:0,5

Brett 2: Daniel Vu (DWZ 1735) - Alexander Savchuk (DWZ 1959)
Nach einer langen Lavierzeit, Stellung nach 29...f4xg3



Weiß sollte nun mit hxg3 Tg7 (Lg5 Db2 ist auch nicht besser)  g4 Ausgleich erzielen und seine gute Bauernstruktur beibehalten.
Daniel spielte 30.Txg3? Lh4 31.Tg2 Df6 32.De3 und Schwarz stünde nach Sf7 mit 2,0 Punkten besser. Stattdessen folgte 32...Tf7 33.Thg1 g5



Weiß kann nun mit h3 versuchen den Vormarsch des g-Bauern zu stoppen. Stockfish sieht vorerst keine Möglichkeit diesen Vorstoß durchzusetzen und
gibt Schwarz auf Grund seiner besseren Resourcen 1,4 Punkte Vorsprung.
Daniel spielte hier den Blackoutzug 34.f4?? und verlor schnell 34...exf4 35.Df3 g4 und die Lawine rollt.
2,5:1,5

Brett 8: Mykyta Nikolaiev (1503) - Lasse Thomschke (DWZ 1474)
Mykyta ist ein junger Spieler, der noch nicht allzu oft gegen das Aljechin-System gespielt hat. Sein Gegner erleichterte ihm mit unangebrachten Bauernzügen die Strategie. Stellung nach 14.f7-f5?



Ein typischer Verteidigungszug um den König vor dem Zugriff der Dame zu schützen. Hier ist der klar beste Zug für Weiß e5xf6 e.p. 
Der e6-Bauer ist schwach und die weißen Figuren können in Angriffsposition gehen. Nach Lxf6 käme Se4 Sd7 Sfg5 um beispielsweise auf h6?
mit Sh7! einzusteigen. Mykyta spielte 15.Tfd1? worauf sein Vorteil um einen ganzen Punkt schrumpfte. Stellung nach 32.Dg4xd4



Schwarz hat Probleme seine Springer auf aktive Felder zu bringen. Zuerst sollte Schwarz aber mit Dxa3 einen wichtigen Bauer schlagen.
Es folgte jedoch 32...Dc5?? 33.Dxc5 bxc5 und das Endspiel ist nach b4 oder Td3 gewonnen. Wenig später musste Schwarz die Segel streichen.
3,5:1,5

Brett 6: Patrick Schubert (1349) - Lewis Regelous (DWZ 1577)
Nach der Eröffnung gab es heterogene Rochaden, jedoch konnte keine Seite einen gefährlichen Angriff in die Wege leiten. Stellung nach 34...c5xd4?!



Nach Txd4 und Generalabtausch musste Weiß das Endspiel einschätzen und kam wohl zu dem Schluss, dass es nicht gut enden würde.
Stockfish hat damit aber kein Problem und würde nach Txd4 Txd4 Txd4 Txd4 Kxd4 Kb4 mit Sd5 weitermachen, aber auch g4 oder Se2 sind
Alternativen die eine konkrete Remisbreite haben. Patrick spielte 35.Kd3? Kb4 36.g4 hxg4 37.fxg4 g5 38.hxg5 fxg5 39.Sh3 und nun wäre Lg6 glatt gewonnen gewesen. Aber das Schicksal war gnädig und Schwarz spielte 39...Te7 40.Kc2 Lg6 41.Kb2 Te4? und nach 42.Sxg5 war die Stellung wieder ausgeglichen. Remis  
4:2 

Brett 1: Markus Böhme (DWZ 2222) - Wolfgang Heimrath (DWZ 2121)
Im Duell der DWZ-Monster ging ich in eine selten gespielte Variation des Skandinaviers über. Obwohl ich keine direkten Schwächen vorzuweisen hatte,
mangelte es an Entwicklung und Plansetzung. So plätscherte die Partie bis zum 22. Zug dahin. Stellung nach 22.Dc2-d2



Le7 wollte ich wegen Sa4 nicht spielen und Lc7 gefiel mir wegen Ld4 nicht. Mit Sd6 konnte ich das Feld f5 kontrollieren, b7 nochmals überdecken und den ersten Offizier von der Grundreihe entfernen. Doch besser gefiel mir die Idee Sc7-Se6 zu spielen. Dieser Plan ging in die Hose. 22...Sc7?? 
23.Sxb7! mit der Idee Lxb7? Lc5. Ich spielte 23...Le7 24.Sa5 und der zweite Bauer geht verloren. 
4:3

Brett 3: Yuriy Savchuk (DWZ 1875) - Norbert Strobel (DWZ 1933)
Es gibt nichts schöneres als modernes Caro-Kann und es wurde eine heiße Schlacht am kalten Buffet. Stellung nach 15.Db4-a4



Schwarz hat Vorteil wenn er Se7 b4 b5! cxb5 Lb6 bxc6 0-0 findet. Stockfish drückt es in 2,4 Einheiten aus. Norbert blieb menschlich und zog 15...Tc8 
16.b4 Le7 17.cxd5 exd5 18.Sd4 und Weiß stand "plötzlich" besser. Stellung nach 24...Sg8-e7



Weiß konnte nun mit Sxe7 Kxe7 bxa6 Da8 (Dc6 Sb5 +4,0) a5 ebenfalls +4,0 seinen Vorsprung ausbauen. Er spielte aber 25.Tad1? d4 26.Se4 und nun wäre nach Lf4 g3 f5 fast alles okay für Schwarz (-0,5) Es kam aber 26...Dc7? und Weiß tauschte beide Leichtfiguren ab. Stellung nach 36...Ta7xa6



Stockfish zaubert nun mit Txg7 (+6,5) einen gnadenlosen Gewinnzug aus dem Hut. Auf Dxg7 folgt e7 und nach Kxg7 kommt mit Te4 der Königsmörder
aus der eigenen Spielhälfte. Weiß spielte ohne Engine 37.Dd5 Txa4 38.Te4 Td8 39.Dc6? Ein Verlustzug! Ta1 40.Kh2 (Diagramm)



Erneut wechselte der Siegeskandidat. Mit 40...f5! fällt der e4-Turm als Helfer im Angriff aus und Weiß müsste zusehen wie der d-Freibauer unaufhaltsam
ins Ziel läuft. Außerdem hängt noch der h4-Bauer mit Schach, worauf Weiß große Probleme bekommt einen spielbaren Zug zu erfinden.
Norbert hatte vermutlich wie sein Gegenüber Zeitnot und spielte 40...d3 41.Teg4 g5 und Weiß opferte gezwungenermaßen den Turm um Dauerschach 
oder mehr zu erzielen. 42.Txg5 fxg5 43.Txg5 Kh8 44.De4!. Nun war nur Dc7! f4 Th1 Kg3 (oder Kxh1 d2) Td4 ausreichend um die Waage im Gleichgewicht zu halten. Stellung nach 48...Kg8-f8



Mit Dh8 Tg8 Df6 Ke8 Df7# hätte der Uttenreuther Spieler den vollen Punkt und somit ein 4-4 erzielt. Er spielte aber 49.Tf5 Kg8 50.Th5 Kf8 51.Tf5 bis eine 3-malige Stellungswiederholung das Endergebnis besiegelte. Was für ein Wechselbad der Gefühle. Eine tolle Partie die aus unserer Sicht ein glückliches Ende nahm.
4,5:3,5

Fazit:

Trotz der Ausfälle von Brett 1, 2 und 4, konnten wir auch dank der breiten Ersatzbank einen knappen Erfolg landen. Mit diesem Sieg konnten wir den zweiten Tabellenplatz festigen. Am 19.April geht es weiter, dann sind wir beim Schlusslicht SK Herzogenaurach 3 zu Gast.

Wolfgang Heimrath

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