SV Neustadt/Aisch - SG 1882 Fürth 2 4,5 : 3,5
Zum Spitzenkampf der Bezirksliga 2b mussten wir in Emskirchen gegen die Mannschaft aus Neustadt/Aisch antreten.
Beide Teams waren in guter Besetzung und nach dem ersten Abtasten gab es schon einige interessante Stellungen.
Brett 8: Manfred Meier (DWZ 1708) - Philipp Leupold (DWZ 1393)
Philip sprang für Philipp ein. Philip spielte kreativ, fand aber nicht immer die richtigen Felder. Stellung nach 12.Te1xe5

Schwarz sollte Lh3 Df3 Le6 Dxb7? (besser Se4) Lf6 Sd5 Lxd5 Txd5 Dxc2 spielen, oder den menschlicheren Zug Ld6.
Es folgte aber 12...Lf6 und Weiß verpasste nun die kleine taktische Finesse Sd5, da der Turm wegen der Springergabel auf e7 nicht genommen werden kann.
Weiß zog 13.Te3? Lg4 14.Dd3 Lf5 15.De2 Lxd4 Die Stellung ist ausgeglichen und wenig später einigte man sich auf Remis.
0,5 : 0,5
Brett 5: Norbert Strobel (DWZ 1933) - Walter Winkler (DWZ 1795)
In einer unorthodoxen Eröffnungsphase hatte Norbert zunächst alles im Griff. Stellung nach 21.Se7-c6?

Schwarz hätte anstatt des Partiezuges besser Th6 Dd3 Tf6 spielen sollen. Nach dem Textzug Sc6?? gibt Stockfish eine Bewertung von +5,9 ab. Mit 22.Td3!! f6 23.Lxd7!! Dxd7 Dxf6! wäre die Partie entschieden, da Dxd3 mit Df7 matt gekontert wird. Wer hätte das gesehen?
Norbert spielte 22.Lxd7 Txd7 23.Dxc6 Th6 und Weiß stand einen knappen Bauer besser. Wenig später Stellung nach 31...Tg7-g7

Weiß konnte nun Dauerschach geben. Falls Schwarz ausweichen will, stünde er auf Verlust. Nach Dh8 Ke7 Te5 Kf6 (Kd6? Td5 1-0) Tf5 gibt es für den schwarzen Monarchen kein Entrinnen. Norbert zog 32.Tf2?? und wurde nach 32...Td1 zur Aufgabe gezwungen, da Kh2 Dg3 ebenso matt ist wie Tf1 Dxg2.
1,5 : 0,5
Brett 2: Hans Seitz (DWZ 1897) - Mike Shlosberg (DWZ 1896)
Hans Seitz kenne ich seit meiner frühen Jugend und habe meistens gegen ihn verloren. Er ist einer der sympathischsten Spieler in Mittelfranken. Mike wählte gegen ihn die Paulsen-Variante im Sizlilianer in Verbindung mit dem exotischen Zug Ld6. Stellung nach 17.e4-e5

Mike sollte nun Ld7 spielen, da er auf Le4 mit 0-0-0 antworten kann und auf Kf2 (bester Zug) oder Se4 mit Lc6. Hier würde sich der Nachteil in Grenzen halten. Schwarz spielte aber 17...0-0? 18.0-0-0 und der Fürther Himmel verdunkelte sich. Mike versuchte noch 18...Se7 19.Le4 Tb8 20.a5 b5
21.axb6 e.p. Lb7?? 22.Td7 und Schwarz stand bereits aufgabereif. Nach einem aussichtslosen Kampf musste Mike sich geschlagen geben.
2,5 : 0,5
Brett 3: Emre Hasgulec (DWZ 1783) - Fabian Snaidero (DWZ 1849)
Nachdem Schwarz sich relativ passiv aufgestellt hat, konnte Emre früh die Weichen stellen. Stellung nach 7...Lf8-e7

Mit dem Schlittschuhschritt d5! konnte sich Weiß hier einen Vorteil von 2,2 Punkten verschaffen. exd5 exd5 Se5 Sd4! und der Springer wird auf e6 eingepflanzt. Emre zog 8.Sc3 Dd7 und die Chance war vertan. Viel später kurz vor der Zeitkontrolle fiel die Entscheidung. Stellung nach 39.e6-e7

Schwarz konnte mit dem einfachen Zug Sf7 die Partie ausgeglichen gestalten. Ob Zeitnot den folgenden Fehler beeinflusst hat, weiß ich leider nicht.
Es kam 39...Sc6?? 40.Te6 und der Springer würde verloren gehen. Schwarz opferte stattdessen die Dame für Turm und Springer.
40...Txf4 41.Txf6 (Besser war gxf4, da Dame und Springer weiterhin hängen) Txf6
Kurz danach konnte Emre den vollen Punkt einfahren.
2,5 : 1,5
Brett 7: Patrick Schubert (1349) - Hans Göß (DWZ 1716)
Patricks Gegner hatte deutlich mehr Erfahrung vorzuweisen. Auswertungen 95 zu 7 für den Neustädter. Im Grand-Prix-Angriff konnte Patrick seinem Gegner einen Doppelbauer verpassen. Stellung nach 12...Sf6-d5

Mit dem Ausweichzug Se4! kann Weiß den Druck auf d6 und c5 erhöhen. Nach 0-0 c4 wird die Schwäche festgelegt und dann bearbeitet.
Patrick zog hier 13.a3?! Die Angst vor Sb4 war unbegründet, Schwarz tauschte mit 13...Sxc3 weiteres Material und schon bald ging es zuerst ins Turmendspiel und dann ins Bauernendspiel. Hier konnte sich keiner der beiden Kontrahenten einen exquisiten Vorteil erspielen und so endete es remis.
3 : 2
Brett 6: Falko Boris Mokrusch (DWZ 1744) - Dennis Maier (DWZ 1553)
Dennis spielte die moderne Aljechin-Verteidigung. Mit einem typischen Maier-Zug brachte er Schärfe ins Spiel. Stellung nach 19.d4xc5

Trotz Raumvorteil hat Weiß hier keinen Vorteil wenn Schwarz mit a5 den Plan des Gegners (b4 zu spielen) durchkreuzt.
Sollte er es mit c3 trotzdem versuchen folgt Dd7 b4 axb4 cxb4 und e5! Dennis spielte in diesem Schwerfigurenendspiel zu passiv und so wurde
er Zug um Zug eingeschnürt, bis sein Gegner seine Türme in Szene setzt. Stellung nach 32...f6xg5

Weiß dringt nach der Zerstörung der schwarzen Mitte mit der Dame ein: 33.Txe6 Dxe6 34.Txe6 Kxe6 35.De5 Kf7 36.Dxd5 Kg7 37.fxg5 und Weiß gewann leicht.
4 : 2
Brett 4: Horst Stößel (DWZ 2007) - Daniel Vu (DWZ 1733)
Weiß spielt eine drucklose Eröffnung im Caro-Kann und steht bald schlechter. Stellung nach 16.Ta1xe1

Daniel war bei der letzten Taktikschulung dabei und findet 16...Lxh3, da nach gxh3 Dg5 nebst Dxd2 folgen könnte. Weiß spielte 17.Sf3 Lg4 18.Sh2 Le6 und traute sich dann nicht auf b7 zu nehmen, was der beste Zug wäre. Nach einigen Abtäuschen geht Daniel ins ungleiche Läuferendspiel mit einem Mehrbauer. Stellung nach 52...d4-d3

Bei Endspielen gilt es oft die richtige Strategie zu finden. Gegen zwei entfernte Freibauern sollte jeweils eine Figur für jeden Bauer zuständig sein.
Laut Stockfish sind die Züge: Ld5, Le4 und a6 mit der Bewertung 0,00 versehen. Auf beispielsweise Lb7 oder Ke1 gewinnt Schwarz mit Lxf2 Kxf2 Kf4 und die schwarzen Bauern sind schneller am Ziel als die weißen. Weiß zog aber 53.Lb5?? und nach 53...d2 54.Le2 Kf4 55.Ld1 g3 56.fxg3 Kxg3 gab Weiß auf.
4 : 3
Brett 1: Wolfgang Heimrath (DWZ 2121) - Manfred Eiber (2109)
Nach einigen Jahren Pause ist Manfred Eiber wieder zum Turnierschach zurückgekehrt. Viele Jahre war er eine Stütze von Schwarz-Weiß Nürnberg.
Seit dem Inkrementzirkus werden lange Partien auch als Seeschlangen bezeichnet. Mit 90 Zügen gehört diese Partie zu den Top 4 meiner Schachkarriere.
Da ich Manfred als Caro-Kann-Spezialist einschätzte, spielte ich die selten gespielte Fantasy-Variante. Stellung nach 26...f6xe5

Bereits mit einem Mehrbauer versehen, würde Stockfish hier f4!! spielen, womit das schwarze Zentrum gesprengt würde. In jedem Fall geht ein weiterer Bauer verloren, da auf e4? der Abzug f5 mit einem Vorteil von 4,7 enorm wäre. Ich zog 27.Sd4!? mit der Doppeldrohung Se6 (Turmgewinn) und Sxc6.
Schwarz spielte 27...Kf6 worauf ich folgende Variante ausrechnete. Sxc6 Tb6 Txb6 Sxb6 b5! Leider vergaß ich für eine Sekunde meinen Plan und spielte als ersten Zug 28.Txc6 Txc6 29.Sxc6 Tb6 30.Sa5 und nun ist mein Springer auf a5 leicht dezentral aufgestellt. Trotzdem ist die Stellung objektiv klar gewonnen. Stellung nach 48...Kd7-e8?

Mein Plan, den König auf die Grundreihe zu zwingen, war richtig. Ich wollte anschließend auf der 5. Reihe die gegnerischen Bauern abgrasen, Stockfish jedoch schlägt hier den Push b5! vor. Nach Sc5 b6 steigt der Vorteil auf 6,9. Ich zog 49.Tg5?? und übersah dabei 49...Sxb4 und mein Vorteil schrumpfte auf 0,9 Einheiten. Trotzdem schaffte ich es in einem laut Endspieltablebase Remis-Endspiel (unter kräftiger Mithilfe meines Gegners) wieder eine Gewinnposition zu erreichen. Stellung nach 66.Kg5-f5

Diese Stellung sollte bei bestem Spiel remis sein. Nach 66...Kg7 kann Weiß keine Fortschritte erzielen. Schwarz spielte aber 66...Th1?? und nach 67.Ta7 Kg8 68.h5! ist der Bauer tabu wegen der Doppeldrohung Schachmatt und Kg6. Als beide Parteien nur noch mit Inkrement den Verlust durch Zeitüberschreitung entgingen, konnte ich die vorübergehende Gewinnstellung leider nicht verwerten.
4,5 : 3,5
Fazit:
Obwohl unser Gegner deutlich höhere DWZ-Werte im Schnitt hatten, wäre ein unentschieden möglich gewesen. Mit der knappsten aller Niederlagen hatten wir diesmal nicht das nötige Quentchen Glück. Emre konnte seine gute Form ins neue Jahr transportieren und Daniel konnte sein gutes Spiel endlich auch in ein gutes Ergebnis ummünzen.
Am 01. Februar müssen wir erneut auswärts antreten. Der Gastgeber ist der punkt- und brettpunktgleiche SC Erlangen 3.
Wolfgang Heimrath
