SG 1882 Fürth 2 - SC Heilbsbronn 5 : 3

Am 3. Advent reiste der SC Heilsbronn nach Fürth. Im Leistungs-Vergleich waren wir klarer Außenseiter, hatten wir doch im Schnitt einen DWZ-Punkt weniger als unsere Gegner. Im letzten Jahr konnten wir das Duell knapp gewinnen, doch von dieser siegreichen Mannschaft waren bei diesem Wettkampf nur noch drei Spieler in der heutigen Aufstellung.


Brett 6: Philipp Levitskii (DWZ 1704) - Uwe Cipra (DWZ 1682)
Zunächst spielen beide etwas vorsichtig und erst nachdem die Entwicklung abgeschlossen war, wurde schärfer geschossen. Stellung nach 13.Dd1-g4



Schwarz sollte hier Tf6! spielen, um beide Baustellen abzudecken. Es folgte aber 13...Lc8 14.dxc5 und nun droht matt. Mit Lf6 konnte Schwarz hier den Schaden noch in Grenzen halten. Nach 14...e5?? 15.Dd1! Lxc5?! (besser Le6) 16.cxd5 Se7 17.Lxe4 Lb7 18.Dh5 gibt Stockfish ein +4,00. Stellung nach 30...Td7-d3



Schwarz hat 3 Bauern weniger, konnte aber seine Figuren gut in Szene setzen. Philipp konnte mit zwei unterschiedlichen Zügen seine Gewinnstellung halten:
1. Tc3 - was nach Txc3 Lxc3 Lxa3 f3 Ld7 einen Bauern verliert (+2,2) oder
2. b4! - axb4 axb4 Lxb4 Tc7! (+2,8) und Schwarz kann den Turm auf e1 nicht nehmen, wegen Matt in zwei Txg7 Kh8 Sf7. 
Philipp verlor hier den Faden und spielte: 31.Ld4? Lxa3 32.Ta1 Txb3 33.Lxb6 Lb2 34.Txa5?? (Nun war Lxa5 deutlich besser) Txb6 und
trotz einer Minusfigur ist die Position laut Stockfish im Remisbereich (+0,2). Wenig später wurde die Partie remis gegeben, obwohl Schwarz
noch einen weiteren Bauern gewann.
0,5:0,5
 
Brett 8: Patrick Schubert (DWZ 1350) - Josef Gerstlacher (DWZ 1457)
Patricks Gegner spielte eine Art Feustel-System. (Bernhard Feustel war ein ehemaliger fränkischer Spitzenspieler und Autor der unter anderem für Erlangen, Bayern München und Bamberg in der 1. Bundesliga seine Visitenkarte abgab.) Stellung nach 17.h4



Da die Mitte und auch der Damenflügel relativ geschlossen sind, ist der weiße Plan klar. Königsangriff mit Th1 h5 usw. Schwarz hatte Angst, zu wenig Gegenspiel generieren zu können und zog: 17...c6? wodurch die Bauern auf d6 und b6 geschwächt wurden. Besser war beispielsweise Lc8 Th1 De8 h5 Lf5.
Patrick sollte nun das Geschenk von Schwarz mit dxc6 Lxc6 Sc3! annehmen, (+1,9). aber es kam: 18.Tad1 c5  19.Th1 Nun konzentrierten sich beide auf den Königsflügel. Nach einem Figureneinsteller seines Gegners konnte Patrick den vollen Punkt ohne weitere Mühe mitnehmen.
1,5:0,5

Brett 2: Mike Shlossberg (DWZ 1896) - Peter Schiefer (DWZ 1915)
Mike spielte seinem Naturell entsprechend auf Angriff und rochierte heterogen. Nach dem Damentausch verflachte zunächst die Partie.
Stellung nach 33...a5-a4



Die weißen Türme sind weit ab vom Geschehen und so scheinen die Figuren von Schwarz besser koordiniert. Stockfish sagt hier, dass Weiß zwingend mit bxa4 Txa4 Kb2 Ta3 Tc1 fortfahren sollte und mit einem Vorsprung von 1,5 Punkten gute Chancen hätte. Mike spielte aber 34.Kb2 a3 35.Ka2 und
Stockfish gibt hier ein 0,00. Stellung nach 39...c5-c4



Schwarz versucht alles und Mike trifft hier erneut die falsche Entscheidung. Stockfish gibt zwei Ausgleichszüge an.
1. Tf1 und Schwarz kann weder mit c3 noch mit cxb3 Fortschritte erzielen
2. bxc4 Txc4 Tb1 oder
2. bxc4 bxc4 Tb1 Tb8 d5
Weiß zog 40.Tc2? Tg1 und der zweite schwarze Turm sorgt ab sofort für Ärger. 41.Td2 Tc1 Ta6 c3 und Stockfish gibt hier bereits ein Matt in 8 Zügen an.
1,5:1,5

Brett 1: Jörg Planner (DWZ 2058) - Wolfgang Heimrath (DWZ 2121)
Nachdem wir vor zwei Jahren bereits die Klingen gekreuzt hatten, vermutete ich, dass er Jobava-London nicht wieder versuchen würde.
In einem nach der Partie stattfindenden Gespräch gab er mir hier die Bestätigung. So kam Damenindisch aufs Brett.
Stellung nach 9.c4-c5?



Weiß überzieht früh. Stattdessen wäre er mit den Zügen Sh4 oder Te1 oder a4 besser gefahren.
Ich überlegte lange mit welchen Bauern ich hier nehmen soll.
bxc5 dxc5 Se4 war meine erste Idee, die ich aber nach Sg5 Sxc5 Dc2 mit Mattdrohung wieder verwarf.
Ich spielte 9...dxc5 10.dxc5 Sa6! (bxc5 Db3 Lc6 Td1 ist nicht so angenehm) 11.La3 Dxd1 12.Tfxd1 Tfd8 13.Txd8 Txd8 14.cxb6 cxb6 und Schwarz hat laut Stockfish Ausgleich. Mit den rückständigen Bauer auf c3 hatte ich ein Angriffsziel und somit leichteres Spiel als mein Gegner.
Stellung nach 20...a6



Weiß zog hier den besten Zug 21.f3, den ich aus unerfindlichen Gründen übersehen habe. Ich rechnete nur Kf3 f5.
Stockfish gibt hier drei interessante Varianten an:
1. axb5 fxe4 b4 Kf2 b5 Ke3 bxc3 a3 c2 Kd2 und Schwarz steht 0,4 Punkte besser
2. Sxg3 hxg3 axb5 Tb1 Tc5 Tb3 und Ausgleich
3. mein Partiezug und somit Vermeidung des Turmendspiels. 21...Sc5 22.Sa3 b5 23.Kf2 Sa4 24.Sb1 und alle Züge die ich nun in Erwägung zog, waren 0,4 Punkte Vorsprung für mich. Ich versuchte noch einiges um den starken Gegner auszutricken, jedoch verteidigte er sich gut und so nahm ich sein Remisangebot nach Prüfung der Stellungen meiner Mannschaftskollegen an.
2:2

Brett 7: Tornalf Lehmann (DWZ 1560) - Dennis Maier (DWZ 1553)
Mit der Aljechin-Verteidigung konnte Dennis früh ausgleichen. Nach einem schwachen Damenzug musste er einen Bauern geben. Stellung nach 30...Da4-b4



Die schwarzen Figuren stehen zum Angriff bereit und Weiß sollte hier mit Le4! einem Angreifer mit dem Abtausch drohen und gleichzeitig die Kontrolle über das Feld c2 verstärken.
Weiß spielte 31.Te2? und Stockfish spring auf -4,6 31...Dd6 32.Dg1 Tc2! (droht Lxe3) 33.Dg2 Txe2 (besser ist Db4! Kd1 Tc4) 34.Dxg3 Dxg3 35.Sxg3 und Schwarz sollte das Endspiel gewinnen. Dennis ließ nichts mehr anbrennen.
3:2

Brett 3: Manfred Münster (DWZ 1826) - Emre Hasgülec (DWZ 1783)
Weiß begann mit seinem Lieblingszug Sc3, doch Emre ließ sich nicht verunsichern und kam gut ins Match. Mit Minusbauer versuchte Emre einen Gegenangriff. Stellung nach 37.Tb1-b6!



Nun hat Schwarz viele Probleme. Die Bauern auf b7 und g6 sind schwach und der Th7 darf wegen der Läuferbedrohung nicht weg.
Stockfish würde g5 spielen um nach Tg6 Kf7 Txg5 den Bauer zu geben. Auch Th6 wäre möglich. Emre spielte aber 37...Sf3? 38.Lxf3 Lxf3 39.Txg6 Kf7 40.Td6? Hier konnte Weiß mit Sxf5 den Sack zu machen, da Schwarz Txd3 wegen Tg3 nicht spielen kann und somit einen Turm tauschen muss. 40...f4 Diagramm



Weiß konnte erneut gewinnen mit Td7 Kg6 Txh7 Kxh7 (fxg3 Kxg3 Kxh7 ist aussichtslos) Se4 und wegen der Drohung Sg5 ist Schwarz verloren.
Weiß spielte 41.Sf5 Txd3 42.Tb2 Ke8 43.Te6 Kd8 44.Sd6?? (Diagramm)



Emre zieht jetzt eine Kombination aus dem Hut in der er NEUN Halbzüge berechnet. Respekt.
44...Lxd5 45.cxd5 Tdxh3 46.Kg1 Th1 47.Kg2 T7h2 48.Kf3 Txb2 und Schwarz steht nun seinerseits auf Gewinn. Nach einem ungenauen Königszug schafft es Weiß doch noch in den Remishafen einzufahren.
Emre wickelt trotz Mehrqualität in ein Remis-Endspiel ab, was dem Team weiterhilft.
3,5:2,5

Brett 4: Daniel Vu (DWZ 1735) - Dieter Lunz (DWZ 1822)
Daniel spielt solide um dann plötzlich mit g4 anzugreifen. Bald entstand ein Doppelturmendspiel. Stellung nach 29.cxd4



Der Bauer auf d5 sollte mit Th5 gedeckt werden. Stockfish findet die Stellung mit +1,2 vorteilhaft. Schwarz zog hier 29...Te7 es folgte 30.Txd5 Tc7 31.Tg2 Te7 32.Tf5 und Weiß steht nun klar auf Gewinn. Stellung nach 52...Th2-c2



Daniel kann mit f6! gxf6 Tg4 Te2 Kxf6 Tf2 Ke6 Te2 Te5 einfach gewinnen. Ein Blackout gibt Schwarz die Gelegenheit zum Remis.
Daniel vertauscht die Reihenfolge der Züge: 53.Tg4?? Te5 54.Td2 und es droht matt auf d6. Um das zu decken, muss Weiß die Züge wiederholen, was zum Remis führt.
4:3

Brett 5: Udo Röschinger (DWZ 1764) - Norbert Strobel (DWZ 1933)
In der Caro-Kann-Eröffnung gibt es zahlreiche Varianten. Weiß wählt ein eher harmloses Abspiel, kommt aber dennoch in Vorteil. Stellung nach 16...Sf6-e4



Nachdem sich der vorwitzige Springer kurzfristig eingenistet hat, wäre nun c4 ein starker Konter. Natürlich ist die Schwächung des Bauern auf d4 in die Kalkulation mit einzubeziehen, aber Stockfish sieht natürlich, dass dxc4 an d5 scheitert. Auf e6 folgt c5 und nach bxc5 ist die Drohung Sxa5 ein ständiger Begleiter. Stockfish würde aber nach bxc5 f3 g5 Le5 spielen und nach Lxe5 dxe5 c4 Sd4 hängen zwei Springer und die Bewertung ist mit 2,0 eine erfreuliche Zwischenbilanz für Weiß. Jedoch Norberts Gegner ging dieses Risiko nicht ein und zog 17.De2 e6 18.f3 Sd6 19.Dd3 Lf6 und der Vorsprung schrumpte auf 0,9 Einheiten.
Die entscheidende Stellung des Kampfes nach 29...Te7-d7



Die Königsstellung von Weiß ist leicht schlechter als die von Schwarz. Dennoch hat Weiß hier zwei Züge die erstmal Ausgleich bedeuten:
1. Dc6 Td1 Kg2 Tff1 Dc7 Kh6 Sd4 Tg1 Kf2 und Schwarz sollte mit Tgf1 (Tdf1 verliert) Dauerschach geben, da Ke3 wegen Txd4 nicht funktioniert. Oder:
2. Db5 (deckt das Feld f1) Td1 Kg2 Df3 Kh3 Td3 Te7 Kh6 De5 Tf5 Dg7 Kg5 Te1 und Schwarz kann Dauerschach geben mit Dh5 oder Dg4 beginnend.
Weiß zog hier fehlerhaft in großer Zeitnot 30.Te4?? und Norbert holte sich nach 30...Dxg3 31.hxg3 Txd5 den Sieg.
Noch stärker wäre nach Te4?? Tf1!! gewesen, denn nach Kxf1 Df3 Kg1 Txd5 ist die entstandene Stellung leichter zu verwerten als in der Partie.
5:3

Fazit:
Am Ende ein überzeugender Sieg, der durchaus höher hätte ausfallen können. Mehrfach konnten wir klare Gewinnstellungen nicht verwerten, was den Kapitän und mich einiges an Nervenwasser kostete. Nach diesem Spieltag sind wir vom Platz an der Sonne nur 1,5 Brettpunkte entfernt.
Im neues Jahr geht es dann zum Spitzenreiter SV Neustadt/Aisch der als Aufsteiger die Liga kräftig durcheinander wirbelt.

Wolfgang Heimrath

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